„Urwald“ Sababurg

Im Jahr 2007 wird das Naturschutzgebiet „Urwald Sababurg“ 100 Jahre alt. 92 Hektar ist es  groß, damit so groß wie Helgoland. Nach 100 Jahren anziehend wie im Jahr 1907 hat sich inzwischen sein Erscheinungsbild gravierend geändert. Nur durch Betrachten historischer Fotos kann man die einmalige Schönheit dieser ehemaligen Waldweidelandschaft erahnen. Um 1900 lieferten Bäume von unvergleichlicher Größe die Blickfänge, weiträumige Adlerfarn- und Borstgrasfluren die Kulisse. Plötzlich zog damals ein Rudel Hirsche durch diese Landschaft. Vielleicht stieg auch ein Auerhahn vor dem andachtsvollen Besucher auf.

Diese Zeiten sind vorbei.

Heute treffen die jährlich mehr als 50.000 Besucher auf bizarre Gebilde an Bäumen, Wurzeln und Ästen. Uralte Bäume säumen die Wanderwege, dramatische Zerfallsprozesse mächtiger Baumriesen erkennt auch der Laie. Wildnisorientierte Waldbilder sorgen für das Außergewöhnliche. Eichen, Buchen, Hainbuchen, Erlen, Birken und Wildäpfel kennzeichnen das Baumartenspektrum.

44 % der Besucher kommen aus dem näheren Umkreis, 4.300 reisten im Jahr 2005 mit den LinienImg_7836bussen des ÖPNV an. Die Popularität des „Urwaldes“ nimmt zu, die Zahl der Besucher wächst eindeutig.

13 % kommen regelmäßig, 12 % häufig in den „Urwald“.

Diese Gäste suchen Ruhe, die alten Bäume, die Natur allgemein und möchten fotografieren - noch und noch.

Und, das ist wohl einmalig, 99,6 % der Gäste verlassen „zufrieden“ bzw. „sehr zufrieden“ dieses Waldstück.

Fragt man nach den Mängeln, geht es gerade nach Regenfällen um den Zustand der Wege, um den störenden Abfall, um den Lärm, wenn gerade ein 7. Schuljahr hier seine Fährte gezogen hat. Einige Naturfreunde regen sich aber, vielleicht nicht zu Unrecht über Hunde auf, die ihnen auf den engen Wanderwegen begegnen und für die es keinen Leinenzwang gibt.

Aber all´ diese Anmerkungen bewegen sich weit unterhalb der 5-%-Klausel.

Viele Leute möchten an die Hand genommen werden. Mehrere tausend Besucher werden pro Jahr durch dieses Gebiet geführt. Der Dank der Teilnehmer ist den Führern gewiss. Nirgendwo dürfte es leichter sein, die Anlage zur Naturbegeisterung zu entzünden, die Menschen zu begeistern, die erfolgreiche, verantwortungsbewusste Forstwirtschaft der letzten 300 Jahre, die Belange des Naturschutzes und die Grundlagen einer zukunftsfähigen Gesellschaft, die sich auf die Prinzipien der Nachhaltigkeit verständigt hat, zu vermitteln.

Was stärkt diesem Gebiet den IMG_7996Rücken? Es ist, und daran konnten sich einige Zeitgenossen nur schwer gewöhnen, die Medienpräsenz. Sei es in den Werbefilmen unserer Republik auf den Expos von Sevilla und Hannover, in unzähligen Bücher, Kalendern, Motivtapeten, Zeitschriften und Internetauftritten. Überall treten den Betrachtern die Kamineiche und ihre Schicksalsgenossen entgegen.

Beispielhaft sei an die Eichenmonografie „Der Baum der Bäume“, den hochkulturellen Film „Was der Wald uns singt“, „Zwischen Himmel und Erde“ oder an die ZDF-Produktion „Bäume, Wasser, Licht“ erinnert. Der „Urwald“ sorgt für Quote. Die Begeisterung überträgt sich aber nicht nur auf die Seher sondern erfasst auch die Journalisten mit ihrem Gefolge. Sie alle lassen sich von den Originalkulissen begeistern, genießen den Prozess der Entschleunigung, den die Natur fordert, schärfen den Blick für die Kostbarkeiten am Wegesrand.

Eine Frage wird immer wieder gestellt. Macht die Popularität den „Urwald“ kaputt?

Natürlich sieht man die Folgen des Besucherdrucks, erkennt die Spuren des Vandalismus, sieht wie Klein-Rüdiger bei seinem alternativen Kindergeburtstag die Grenzen des Verantwortbaren überschreiten durfte.

Der „Urwald“ ist kein Abenteuerspielplatz. Man regt sich auf, möchte resignieren. Es gibt keinen Grund, die Fliegenpilze umzutreten, Totholzstücke ans Auto zu schleppen, Moospolster abzureißen. Ganz schlimm ist die Unverfrorenheit, wenn gerade zu dieser Jahreszeit die Pilzsammler mit ihren Plastiktüten und stolzgeschwellter Brust durch den „Urwald“ streifen und auch noch rotzfrech auf Vorhaltungen reagieren.

Die seit 1992 angelegten Bohlenpfade haben ihren Zweck mehr als erfüllt. Die sumpfigen Partien konnten sich regenerieren, Kinderwagenschiebern und Rollstuhlfahrern wurde der Weg bereitet. Die offensive Pflege der Wanderwege lenkt den Besucher in die richtige Richtung. Wer sich an das Wegegebot hält, lernt die Besonderheiten des Gebietes kennen, wird nicht an der Nase herangeführt.

Wie hat nun alles begonnen?

Versetzen wir uns an das Ende des 19. Jahrhunderts. Deutschland hatte eine sensationelle Entwicklung hinter sich. Die Bevölkerung verdoppelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte. Die Wissenschaft konnte auf spektakuläre Erfolge verweisen. Industrie und Handel nahmen einen rasanten Aufschwung. Die Menschen strömten in die Städte.

Die Landwirtschaft steigerte ihre Produktivität und konnte auf den Eintrieb des Weideviehs in die Wälder und dank der Kartoffel auf die Schweinemast unter den Eichen verzichten. Gerade in Preußen führten umfangreiche Meliorationsmaßnahmen zur Urbarmachung von fast 10 % der Landesfläche.

Nun konnten die durch die Weidenutzung ramponierten Hutewälder in Wirtschaftswälder umgewandelt werden. Schließlich galt es auch der spürbaren Holznot entgegenzuwirken. Aus mehreren Gründen griff man dazu vornehmlich auf das eigentlich gebietsfremde Nadelholz zu, so auch im Reinhardswald.

Die radikale Veränderung der Landschaft sowie der Verlust landschaftlicher und landschaftskultureller Kostbarkeiten blieb nicht ohne Echo. Es bildete sich eine Natur- und Heimatschutzbewegung heraus. In großer Sorge um den Erhalt wichtiger Elemente für die nachfolgenden Generationen meldeten sich die Protagonisten zu Wort.

Wilhelm Wetekamp veröffentlichte die Denkschrift „Die Gefährdung der Naturdenkmäler und Vorschläge zu ihrer Erhaltung“. Ein Pionier dieser Phase war Dr. Hugo Conwentz, der dann Leiter der 1906 in Danzig geschaffenen „Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen“ wurde.

Im Februar 1907 startete man in Berlin eine Umfrage, wo es in Deutschland schützenswerte Landschaftsteile gäbe. Die Oberförsterei Hombressen meldete den „Kuhberg bei der Sababurg“, den heutigen „Urwald“. Damit wurde dieses Waldstück praktisch das erste Naturschutzgebiet in Hessen und steht damit auf einer Ebene mit den Kreidefelsen auf Rügen und dem Plagefenn in der Schorfheide. Es hatte anfangs 61 Hektar Größe.

Aber wie ist es zu dieser Ausweisung gekommen? Die Schlüsselfigur dieser Geschichte ist der Maler Theodor Rocholl. Der Pfarrersohn lernte den Reinhardswald bereits als Fünfzehnjähriger bei Wanderungen von Göttingen aus kennen.

Seine Liebe galt besonders den Eichen, zu denen er eine emotional-ästhetische, magisch-mystische Beziehung aufbaute. Er neigte zur Mythologisierung der Natur. Gleichzeitig gab er mit den Augen des Malers für das Schöne und Wertvolle den Eichen einen hohen Symbolwert mit deutsch-nationalem Hintergrund.

Rocholl hielt nicht nur zu Conwentz Kontakt sondern fand in seinen Bemühungen um den Erhalt der Hutelandschaft auch bei Oberforstmeister Swart und Forstmeister Grebe Unterstützung.

 

 

 

,,,So ist es nicht verwunderlich, dass im Betriebswerk der Oberförsterei Hombressen 1905 160 Hektar von der Endnutzung zurückgestellt worden sind, darunter auch die Fläche des heutigen NSG, die Rocholl als Malerreservat bezeichnet hatte.

Nebenbei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Rocholl ebenso gekonnt und passioniert Pferde gemalt hat. Seinen eigentlich Lebensunterhalt finanzierte er aber als Schlachtenmaler in mehreren Kriegen.

Die Institutionalisierung des Naturschutzes auf der Fläche erfolgte dann 1908 durch die Bildung von Bezirkskomitees, so auch in Kassel. Conwentz hält bei der Gründungsversammlung den Festvortrag, geht dabei auch auf das Schutzgebiet ein und bringt es damit erstmals in die Literatur.

1917 geriet der „Urwald“ in Gefahr. Das Gestüt Beberbeck verlangte weitere Weideflächen und beanspruchte dabei u.a. den „Urwald“. Das hätte seinen Tod bedeutet. Zeitungsaufrufe von Kasseler Vereinen und Künstlern lösten einen Proteststurm aus. Conwentz und der Vorsitzende des Bezirkskomitees Dr. Schaefer schalteten sich ein. Die Bemühungen hatten Erfolg.

Im gleichen Jahr wurde dann ein Antrag auf Erweiterung des Schutzgebietes gestellt. Die Fläche vergrößerte sich nun auf 181 Hektar.

In den folgenden Jahren wies die Forstverwaltung darauf hin, dass in dieser Erweiterungsfläche große Teile eigentlich nicht schutzwürdig seien. 1925 wurde deshalb die Fläche wieder auf gut 90 Hektar reduziert. Das Gebiet erhielt seine heutige Form.

In den 1920er Jahren wäre der „Urwald“ fast wieder in Gefahr geraten.

Für die Helden des 1. Weltkrieges sollte ein gewaltiges Reichsehrenmal errichtet werden. Mehr als 100 deutsche Standorte standen zur Wahl. Schließlich behielt der Reinhardswald auch wegen seiner Eichen und Alleen die Nase vorn. Dieses Bauwerk sollte zwischen „Urwald“ und der Kasseler Schneise platziert werden.

Die Wirren der dann folgenden Jahre ließen das Projekt in der Schublade verschwinden.

1933 traf es den „Urwald“ ins Mark. Am 16. März brannten etwa 25 Hektar des Schutzgebietes ab. Die Spuren dieses Brandes sieht man noch heute an mehreren Bäumen und Totholzstücken. Alle drei Kasseler Zeitungen berichteten ganzseitig darüber. Die Bevölkerung war sich schon damals bewusst, wie wertvoll und einmalig ihr „Urwald“ zu dieser Zeit gewesen ist.

Im November 1934 wurde es noch einmal ernst. Reichsjägermeister Hermann Göring kreuzte im „Urwald“ auf. Er war auf der Suche nach einem geeigneten Gebiet für seine größenwahnsinnigen jagdlichen Pläne. Da ihm die Hirschgeweihe des Reinhardswaldes zu gering waren, entschied er sich für die Schorfheide.

Heute ist das Gebiet nicht nur als Naturschutzgebiet gesichert, sondern auch für das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 nach der FFH-Richtlinie gemeldet worden.

Ein Jahrhundert lang hat sich der Mensch aus dieser Fläche weitgehend herausgehalten. Die Natur konnte Natur bleiben. Es blieb alles beim alten. Weit gefehlt!

Das Bild des Kuhbergs hat sich völlig verändert. Da kein Vieh mehr die jungen Bäume kurz hielt, niemand mehr wegen der Schweinemast die Eiche bevorzugte, legte der Wald so richtig los. Im Kampf Baum gegen Baum um Licht und Wasser behielt eine Baumart die Oberhand: die Buche. Unerbittlich nutzt sie ihre schärfste Waffe, nämlich die Eigenschaft mehr als jede andere Laubbaumart Schatten zu ertragen und erobert Quadratmeter für Quadratmeter. Der ehemals lichte Hutewald wächst zu. Mit Ausnahme der ganz nassen Partien dominiert inzwischen der Hainsimsen-Buchenwald.

Neben dieser Waldgesellschaft trifft der Besucher noch auf Birken-Eichenwald und Torfmoos-Erlenbruchwald. Das dichter werdende Blätterdach verändert auch den Bodenwasserhaushalt. Die Flächen werden trockener und nährstoffreicher.Wir sollten uns glücklich schätzen, das wir für das Gebiet des „Urwaldes“ etwas Besonders, vielleicht sogar Einmaliges bieten können. Eine fundierte Dokumentation der Florenveränderung über fast 100 Jahre.

Dr. Wilhelm Bock erfasste von 1910 bis 1913 in einer eingehenden botanischen Untersuchung dort die Pflanzenwelt.

Elfriede Flörcke veröffentlichte 1967 eine weitere Erfassung der Flora.

1982 folgten zwei Diplomarbeiten der Fachhochschule Göttingen mit einer erneuten Inventur.

Und 2005 erarbeitete Dr. Marcus Schmidt eine gründliche wie aktuelle Beschreibung der Pflanzenwelt des „Urwaldes“.

Was sollten wir aus diesen Arbeiten wissen?

Seit 1907 sind dort insgesamt 187 Farn- und Blütenpflanzenarten nachgewiesen worden. Es kamen aber nie alle gleichzeitig vor.

2005 waren es 136 Arten, von denen 77 Arten bereits von Bock aufgeführt worden sind. Dieser hatte damals insgesamt 93 Arten entdeckt.

Frau Flörcke fand 92 Arten.

Die Zahl der Nässezeiger hat abgenommen, die für frische Böden zugenommen. Der gestiegene Wasserverbrauch der Bäume pumpt das Wasser aus dem Boden.

Heute fehlen das Sumpf-Weidenröschen, das Sumpf-Labkraut, das Sumpf-Helmkraut und das Sumpf-Veilchen. Nomen est omen.

Stattdessen tauchten z. B. der Eichenfarn und die Große Sternmiere auf.Die Zeiger für magere Standorte verschwanden wie die Rundblättrige Sonnenblume, das Mausohr-Habichtskraut, der Gewöhnliche Teufelsabbiss und der Rundblättrige Sonnentau.

Heute sind typische Stickstoffweiser wie die Brennnessel vorhanden, die es früher nicht gab.Derzeit finden sich im „Urwald“ fünf Arten der Roten Liste Hessen.Gebietstypisch tritt im Frühling der Siebenstern in Erscheinung. Als Neophyt erkennt man auf den Wanderwegen die Zarte Binse.

Wie sieht es bei den Flechten und Moosen aus? Die Flechten werden in ihrer Ausbreitung von der Luftbelastung geprägt. Sie sind zuverlässige Indikatoren für die Qualität unserer Umweltsituation. Das trifft ohne Einschränkungen auf den „Urwald“ zu.Empfindliche Arten sind ausgestorben. Nach den wirkungsvollen Maßnahmen der Luftreinhaltepolitik ab 1984 ist eine Wiederbesiedlung erkennbar.

Grundsätzlich ist dieses Gebiet für Flechten auf Bäumen und Totholz von Interesse. Der Chemismus der Rinde ist entscheidend.

Wichtig sind alte, dickstämmige Bäume als Lebensraum. Die gibt es hier. Deshalb ist die Habitatvielfalt im „Urwald“ beachtlich.

Im Jahr 2005 konnten Dr. Petra Fischer und Dr. Bettina Günzl 58 Arten (9 auf Buche, 40 auf Eiche) nachweisen. Davon stehen 16 Arten auf der Roten Liste (11 Eichen-, 2 Buchenarten).

Ein paar Worte zu den Moosen. Hierzu liegt eine Untersuchung Grebes von 1914 vor. 1980 machten Follmann und Futschig eine Kompletterfassung und fanden 61 Arten.

Dr. Gunnar Waesch machte sich 2005 auf die Suche und stieß auf 58 Arten. Die Artenzahl bewegt sich also auf ähnlichem Niveau. Allerdings hat sich die Artenzusammensetzung geändert. Die feuchteliebenden Arten sind verschwunden.

 

 

 

 

 

 

 

Heute findet man hier fünf Arten der Roten Liste in der Einstufung „gefährdet“ und zehn in der Stufe „zurückgehend“.

Ein Begriff ist heute bereits mehrfach gefallen: Totholz.

Es ist die Lebensgrundlage für eine spezielle, besonders artenreiche Tier- und Pflanzenwelt.

Totholz ist im Wirtschaftswald knapp und wird im Zuge der Nutzung regenerativer Energien bedrohlich knapp werden.

Sein Anteil beträgt üblicherweise 3 bis 10 % der Holzmasse. In Urwäldern liegt die Quote bei 10 bis über 60 %.

Dieses Totholz bietet eine unüberschaubare Zahl unterschiedlichster Lebensräume.

Mitte der 70-er Jahre hatte man im „Urwald“ erst 50 Pilzarten nachgewiesen. 10 Jahre später waren es bereits 383 Spezies, im Jahr 2000 dann etwa 570 Arten, darunter befanden sich 47 % Holzbewohner.

Damit konnten bis zum Jahr 2000 hier auf lediglich 0,004 % der hessischen Landesfläche 28 % aller bisher in Hessen bekannten Großpilzarten nachgewiesen werden.

109 Arten davon stehen auf der Roten Liste. Und  die Kenntnisse weisen immer noch Lücken auf.

Aufsehenerregend wird es bei den Schleimpilzen. Diese chlorophyllfreien Organismen sind eine Welt für sich. Sie gelten als unechte Pilze. Weltweit gibt es nur rund 900 Arten, in Deutschland 320. Die meisten haben keine deutschen Namen. Eine kleine Gruppe von Spezialisten kümmert sich um sie. Die über 120 Arten, die im „Urwald“ zu Hause sind, stellen 41 % aller deutschen Arten dar. Nicht umsonst gilt dieses Gebiet als wichtigstes seiner Art in Mitteleuropa.

Der „Urwald“ ist noch nie vollständig hinsichtlich der Insektenwelt untersucht worden. Fachleute gehen von 2.000 bis 3.000 Arten aus.

Bisher sind 449 Käferarten nachgewiesen worden, von denen bundesweit 18 % als gefährdet eingestuft werden. Die Struktur alter Wälder, das reichlich vorhandene Totholz und der Mulm bieten besondere Lebensräume. Acht Arten sind vom Aussterben bedroht, 7 davon leben ausschließlich im Reinhardswald. Der „Urwald“ zählt für die mitteleuropäische Holzkäferfauna zu einem der bedeutendsten Gebiete.

Über die Fledermäuse ist nichts bekannt. Das gilt auch für die Schnecken, Spinnen, Würmer und Amphibien.

In der Vogelwelt wird es konkreter. Reubert und Siebert haben 2005 in 19 Begehungen 51 Arten festgestellt. Der Buchfink ist am häufigsten vertreten.

Irgendwie trauert man den Arten von vor 100 Jahren nach. Den Raufußhühnern, dem Wiedehopf und denen, die vor einigen Jahrzehnten noch dort waren, dem Pirol und dem Ziegenmelker.

Heute ist der „Urwald“ ein Spiegel des Lebens für Wachsen und Gedeihen wie aber auch für Tod und Vergänglichkeit. Er ist Quell´ der Schöpfung und Mahner für die Verantwortung unserer Generation.